Wenn Sie nach einer Alternative zu OptiFibre suchen, geht es meist um den Wirkstoff dahinter, nicht um die Marke. OptiFibre besteht zu 100 Prozent aus PHGG (partiell hydrolysiertes Guarkernmehl) und ist als Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke eingestuft.12 Genau dieser Ballaststoff ist auch als gewöhnliches Nahrungsergänzungsmittel erhältlich, oft ohne Apotheke und zu einem niedrigeren Preis pro Gramm.
Das ist relevant, denn über 75 Prozent der Erwachsenen in Deutschland erreichen die von der DGE empfohlenen 30 g Ballaststoffe pro Tag nicht.3 In diesem Ratgeber erklären wir, was PHGG ist, warum OptiFibre rechtlich anders eingestuft ist als die meisten Pulver im Handel und wann PHGG, Flohsamen oder Inulin die bessere Wahl sind. Konkrete Produktempfehlungen für den deutschen Markt finden Sie in unserem Überblick zu den besten Ballaststoff-Präparaten in Deutschland. Den größeren Zusammenhang, wie Ballaststoffe in eine GLP-1-Behandlung passen, behandelt unser kompletter Leitfaden zu Ballaststoffen und GLP-1-Medikamenten.
Was ist PHGG?
PHGG, partiell hydrolysiertes Guarkernmehl, ist ein löslicher, niedrigviskoser Ballaststoff aus der Guarbohne. Er löst sich vollständig und klar in Flüssigkeit auf, ist geschmacksneutral und verändert die Konsistenz von Getränken oder Speisen nicht. Im Dickdarm wird PHGG langsam von Darmbakterien zu kurzkettigen Fettsäuren fermentiert. Diese langsame Fermentation ist der Grund, warum PHGG deutlich weniger Gas und Blähungen verursacht als schnell fermentierende Ballaststoffe wie Inulin oder FOS. PHGG gilt zudem als low FODMAP. Der bekannteste markenrechtlich geschützte PHGG-Rohstoff heißt Sunfiber.
Was ist OptiFibre, und woraus besteht es?
OptiFibre ist ein Produkt von Nestlé Health Science. Sein einziger Wirkstoff ist PHGG, also 100 Prozent partiell hydrolysiertes Guarkernmehl, glutenfrei und pflanzlich.1 Eine gestrichene Messlöffelportion entspricht 5 g und wird in 200 ml Flüssigkeit oder 150 g Speise eingerührt. Der Hersteller empfiehlt, einschleichend zu dosieren (1 Messlöffel an den ersten drei Tagen, ab dem vierten Tag 2 Messlöffel) und das Produkt unter ärztlicher Begleitung über mindestens 14 Tage anzuwenden.1
Entscheidend ist die rechtliche Einstufung: OptiFibre ist ein Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke und wird in Deutschland über die Apotheke vertrieben. Was das bedeutet, klären wir im nächsten Abschnitt.
FSMP oder Nahrungsergänzungsmittel: wo liegt der Unterschied?
Hier liegt der eigentliche Kern der Frage nach einer Alternative. Derselbe Ballaststoff kann in zwei verschiedenen rechtlichen Kategorien verkauft werden.
Ein Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke (englisch FSMP, oft auch “bilanzierte Diät” genannt) ist nach der Delegierten Verordnung (EU) 2016/128 dafür gedacht, Patientinnen und Patienten mit einer diagnostizierten Krankheit oder Störung zu ernähren, die ihren Nährstoffbedarf nicht oder nur schwer über normale Lebensmittel decken können. Solche Produkte werden in Zusammenarbeit mit medizinischem Fachpersonal entwickelt und sind für die Anwendung unter ärztlicher Aufsicht bestimmt.2 OptiFibre fällt in diese Kategorie.
Ein Nahrungsergänzungsmittel ist nach der Richtlinie 2002/46/EG (in Deutschland umgesetzt als Nahrungsergänzungsmittelverordnung, NemV) ein Lebensmittel, das die normale Ernährung ergänzt und konzentrierte Nährstoffe oder andere Stoffe mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung in dosierter Form liefert, etwa als Kapseln, Pulver oder Sachets.4 Die meisten PHGG-Pulver, die Sie online oder in der Drogerie kaufen, gehören in diese Kategorie.
Praktisch heißt das: Die rechtliche Einordnung bestimmt den Vertriebsweg (Apotheke mit ärztlicher Begleitung gegenüber freiem Handel), die Aufmachung und häufig den Preis pro Gramm, nicht den Ballaststoff selbst. PHGG bleibt PHGG.
Welche Alternativen zu OptiFibre gibt es?
Zwei Richtungen sind sinnvoll.
Gleicher Wirkstoff, andere Kategorie. Wenn Sie bei PHGG bleiben möchten, finden Sie reine PHGG- oder Sunfiber-Pulver als normale Nahrungsergänzungsmittel. Sie enthalten denselben Ballaststoff wie OptiFibre, sind aber meist im freien Handel erhältlich. Konkrete, geprüfte Produkte für den deutschen Markt nennen wir in unserem Überblick der besten Ballaststoff-Präparate in Deutschland.
Anderer Ballaststoff, je nach Ziel. PHGG ist nicht für jedes Ziel die beste Wahl. Bei chronischer Verstopfung haben Flohsamenschalen die breiteste Evidenz, für die präbiotische Wirkung ist Chicorée-Inulin führend. Den passenden Typ behandelt der nächste Abschnitt.
PHGG, Flohsamen oder Inulin: was passt zu wem?
- PHGG ist die verträglichste Option. Geschmacksneutral, klar löslich, low FODMAP und mit wenig Gasbildung. Gut für empfindliche Verdauung, Reizdarmsyndrom oder GLP-1-Nutzer, die bei anderen Ballaststoffen Übelkeit erleben.
- Flohsamenschalen haben die breiteste klinische Evidenz bei chronischer Verstopfung. Eine Metaanalyse von 2022 im American Journal of Clinical Nutrition kam zu dem Ergebnis, dass Ballaststoffe die Stuhlfrequenz verbessern, mit signifikanten Effekten vor allem für Flohsamen (Psyllium) und Pektin, und das insbesondere bei Dosen über 10 g pro Tag über mindestens vier Wochen.5 Flohsamen wirken mechanisch und gelbildend.
- Chicorée-Inulin ist der einzige präbiotische Ballaststoff mit einem proprietären EU-Health-Claim für die Darmfunktion bei 12 g pro Tag. Es fermentiert schneller und kann anfangs mehr Gas verursachen.
Wenn Übelkeit oder Blähungen Ihr Hauptproblem sind, ist PHGG meist der beste Startpunkt. Geht es vor allem um Verstopfung, sind Flohsamenschalen die evidenzstärkste Wahl.
Wie dosiert man PHGG?
Eine typische wirksame Dosis liegt bei 5 bis 10 g pro Tag. Wie bei jedem fermentierbaren Ballaststoff gilt: langsam einschleichen. Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis und steigern Sie über ein bis zwei Wochen, um Blähungen zu vermeiden. PHGG lässt sich klar in Wasser, Kaffee oder Speisen einrühren. Wenn Sie ein GLP-1-Medikament nehmen, nehmen Sie Ballaststoffe mit zeitlichem Abstand zur Medikation ein.
Was sagt die Evidenz zu PHGG?
PHGG ist gut verträglich und durch mehrere kontrollierte Studien gestützt, auch wenn die Studienlage schmaler ist als bei Flohsamen. In einer randomisierten, einfach verblindeten, placebokontrollierten Studie an Pflegeheimbewohnern führte 5 g PHGG täglich über vier Wochen zu einem signifikant geringeren Abführmittelgebrauch als Placebo.6 Bei Reizdarmsyndrom zeigte eine randomisierte Studie Vorteile von PHGG gegenüber Placebo, sowohl beim verstopfungs- als auch beim durchfalldominanten Typ.7 Die Wirkung auf die reine Stuhlfrequenz fällt je nach Studienpopulation unterschiedlich aus. Der konsistenteste Vorteil von PHGG ist seine sehr gute Verträglichkeit bei geringer Gasbildung.
Welche Wahl ist die richtige?
Die Suche nach einer Alternative zu OptiFibre führt fast immer zu PHGG, dem Wirkstoff von OptiFibre selbst. Als Nahrungsergänzungsmittel ist derselbe Ballaststoff oft ohne Apotheke und zu einem niedrigeren Preis pro Gramm erhältlich. Ist Ihr Ziel maximale Verträglichkeit, ist PHGG eine gute Wahl. Steht Verstopfung im Vordergrund, sind Flohsamenschalen evidenzstärker, für präbiotische Effekte Chicorée-Inulin. Konkrete Produkte für Deutschland finden Sie in unserem Ratgeber zu den besten Ballaststoff-Präparaten.
Häufig gestellte Fragen
Ist OptiFibre dasselbe wie PHGG? Im Wesentlichen ja. OptiFibre von Nestlé Health Science besteht zu 100 Prozent aus PHGG. Der Unterschied zu vielen Alternativen liegt nicht im Ballaststoff, sondern in der rechtlichen Einstufung als Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke.
Gibt es eine günstigere Alternative zu OptiFibre? Reine PHGG- oder Sunfiber-Pulver werden auch als normale Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Sie enthalten denselben Ballaststoff wie OptiFibre, sind aber meist im freien Handel und ohne Apotheke erhältlich.
PHGG oder Flohsamenschalen bei Verstopfung? Flohsamenschalen haben die breiteste klinische Evidenz bei chronischer Verstopfung. PHGG ist die verträglichere Option mit geringerer Gasbildung und eignet sich besonders bei empfindlicher Verdauung, Reizdarmsyndrom oder Übelkeit unter GLP-1-Medikamenten.
Wie viel PHGG sollte man pro Tag nehmen? Eine typische wirksame Dosis liegt bei 5 bis 10 g pro Tag, langsam einschleichend über ein bis zwei Wochen.
Ist PHGG low FODMAP? Ja. PHGG gilt als low FODMAP und verursacht durch seine langsame Fermentation deutlich weniger Gas als schneller fermentierende Ballaststoffe wie Inulin oder FOS.
Footnotes
-
Nestlé Health Science, OptiFibre Produktinformation (Herstellerangaben): 100 Prozent partiell hydrolysiertes Guarkernmehl, glutenfrei; Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke; 5 g pro Messlöffel in 200 ml Flüssigkeit; einschleichende Dosierung unter ärztlicher Begleitung. ↩ ↩2 ↩3
-
Delegierte Verordnung (EU) 2016/128 der Kommission zur Ergänzung der Verordnung (EU) Nr. 609/2013 in Bezug auf Lebensmittel für besondere medizinische Zwecke. ↩ ↩2
-
Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Referenzwert für die Ballaststoffzufuhr: mindestens 30 g pro Tag. ↩
-
Richtlinie 2002/46/EG über Nahrungsergänzungsmittel, Artikel 2(a); in Deutschland umgesetzt durch die Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV). ↩
-
van der Schoot A, Drysdale C, Whelan K, Dimidi E. The Effect of Fiber Supplementation on Chronic Constipation in Adults: An Updated Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Controlled Trials. American Journal of Clinical Nutrition. 2022;116(4):953-969. ↩
-
Randomisierte, einfach verblindete, placebokontrollierte Studie zu partiell hydrolysiertem Guarkernmehl (5 g/Tag über 4 Wochen) bei Pflegeheimbewohnern mit Verstopfung, 2022 (PubMed 35297467). ↩
-
Giannini EG, et al. Randomisierte klinische Studie: partiell hydrolysiertes Guarkernmehl (PHGG) gegenüber Placebo bei Patienten mit Reizdarmsyndrom, 2006. ↩